Umschau-Stichprobe (MDR)

Privatpatienten werden in Deutschland gegenüber gesetzlich krankenversicherten Patienten bei der Terminvergabe von Ärzten bevorzugt. Das ergab eine bundesweite Stichprobe der Umschau. Besonders bedenklich: Kassenpatienten müssen auch bei bedrohlichen Symptomen oft wochenlang auf eine Untersuchung warten.

81 Tage Warten auf eine Darmspiegelung

In einem Fall sollte eine kassenversicherte Patientin 81 Tage auf eine Darmspiegelung warten, nachdem sie als Symptom Blut im Stuhl angegeben hatte. Das kann auf Darmkrebs hindeuten und fordert eine schnelle Untersuchung. Eine Privatpatientin mit dem gleichen Symptom wurde bereits nach fünf Tagen zur Darmspiegelung bestellt. 61 Tage hätte die Kassenpatientin in einer Universitätsklinik auf eine wichtige Augenuntersuchung warten müssen. Die Privatpatientin, sollte dagegen schon sechs Tage nach ihrem Anruf kommen. Ein Arzt bot der Kassenversicherten einen früheren Termin zur Untersuchung auf multiple Sklerose gegen die Zahlung von 100 Euro an, ansonsten könne sie erst im Dezember kommen.


Nur wenige machen keinen Unterschied

Insgesamt fragten die beiden Testpatientinnen deutschlandweit bei 30 niedergelassenen Ärzten und Kliniken nach Untersuchungsterminen. Nur acht Mediziner machten bei der Terminvergabe keinerlei Unterschiede auf Grund der Art der Krankenversicherung. In drei Praxen bzw. Kliniken bekam die Kassenpatientin wegen angeblicher Überlastung überhaupt keinen Termin, während die Privatpatientin schon in der darauffolgenden Woche zur Untersuchung kommen konnte. Insgesamt lag der Zeitraum bei der Terminvergabe zwischen Privat und Kasse zwischen fünf Tagen und vier Monaten.


Bundesgesundheitsministerium: skandalöses Verhalte

Die Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, Marion Caspers-Merk (SPD), nannte dieses Verhalten der Ärzte skandalös: "Es darf nicht zur Regel werden, dass Kassenpatienten benachteiligt werden und wir haben Sorge dafür zu tragen, dass jeder das Notwendige erhält."


Krankenkassen reagieren

Inzwischen haben die gesetzlichen Krankenkassen auf die Stichprobe der Umschau reagiert. Sie kündigen an, gegen zu lange Wartezeiten für ihre Versicherten bei Ärzten vorzugehen.


Quelle

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J. Dieckmännken4. Abkürzungen3. Literatur1. Impressum2. Disclaimer