Aktuelles aus der Praxis der Ernährungsberatung:
Mehr Lebensqualität für Krebspatienten durch bedarfsdeckende Ernährung!
Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin: Gewichtsverlust und Mangelernährung sind häufige Begleiterscheinungen einer Krebserkrankung


diaita - Aachen, den 17.03.04: Für Krebspatienten ist es besonders wichtig, auf eine bedarfsdeckende Nährstoffzufuhr zu achten und eine Mangelernährung zu vermeiden, um den Heilungserfolg zu unterstützen, berichtet heute Diplom Oecotrophologin Heike Laakmann von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in Bad Aachen. Gesellschaftssprecher Sven-David Müller empfiehlt zum Ausgleich des erhöhten Kalorien- und Nährstoffbedarfs die Zufuhr einer hochkalorischen eiweißreichen Zusatznahrung aus der Apotheke, die spezielle Nährstoffe wie Omega-3-Fettsäuren in Kombination mit Vitamin E und einer speziellen Aminosäurekombination enthält. Viele Krebspatienten leiden an einem starken Gewichtsverlust und somit an einer Mangelernährung, ebenfalls kommt es zu einem Abbau der Muskulatur. Insgesamt bezeichnen Onkologen diesen Prozess als Tumorkachexie. Der Gewichtsverlust kann eine Reihe von Ursachen haben: Tumore können Stoffe freisetzen, die zu Appetitverlust und beschleunigtem Stoffwechsel und damit zu schnellem Gewichts- und Muskelabbau führen. Auch die Therapie der Krebserkrankungen - die Chemotherapie und die Bestrahlung - können zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall führen. Der Körper benötigt aber wichtige Kraftreserven, um den Heilungsprozess zu fördern. Durch einen Mangel an Nähr- und Wirkstoffen steigt das Infektionsrisiko und im Gegensatz dazu sinken die Heilungsaussichten und das Wohlbefinden verschlechtert sich. Deshalb ist es wichtig, eine Mangelernährung schon im Vorhinein zu verhindern. Die dauerhafte Betreuung durch DiätassistentInnen und Diplom-OecotrophologInnen ist während der Krebstherapie besonders wichtig. Grundsätzlich gibt es keine spezielle Krebsdiät, stattdessen ist es wichtig, auf eine ausgewogene und vielseitige Ernährung zu achten. Solange es den Patienten möglich ist, kann die Zufuhr über die normale Nahrung erfolgen. Sollte dies nicht mehr möglich sein, entweder durch Unverträglichkeitsreaktionen oder durch den stark erhöhten Bedarf, können die Betroffenen spezielle Trink- und Sondennahrungen für Krebspatienten einsetzen. Diese sollten hochkalorisch und eiweißreich sein sowie die für die Krebspatienten spezielle Nährstoffe beinhalten. So können Fischöle, insbesondere die enthaltene Eicosapentaensäure, die Stoffwechselvorgänge bei einer Krebserkrankung positiv beeinflussen. Eicosapentaensäure hilft auf diese Weise dabei, dem ungewollten Gewichtsverlust entgegenzuwirken beziehungsweise an Gewicht zuzunehmen. Eine spezielle Aminosäurenzusammensetzung fördert außerdem den Muskelaufbau. Ballaststoffe sind für die Unterstützung der Darmtätigkeit sowie den Aufbau einer gesunden Darmflora wichtig. Vitamine und Mineralstoffe sind hilfreich zur Minderung von Gewebeschäden und zur Stärkung der Immunabwehr. Bei Gewichtsverlust ist es hilfreich während der Zeiten, in denen Patienten Nahrung noch gut vertragen, reichlich zu essen. Förderlich sind mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt. Die Patienten sollten stets energiereiche Snacks in Reichweite halten. Ein Spaziergang vor der Mahlzeit regt den Appetit an. Bei Übelkeit und Erbrechen können trockene und salzige Speisen den Magen beruhigen. Kalte und fettärmere Speisen sind besser verträglich. Wenn möglich sollten andere Personen die Mahlzeiten zubereiten, um den Patienten eine Übelkeit durch Essensgeruch während der Mahlzeitenzubereitung zu ersparen. Bei wunden Stellen im Mund ist es hilfreich reichlich zu trinken sowie säurereiche Speisen und Getränke zu vermeiden. Kaltes oder Gefrorenes kann im Mundraum Linderung verschaffen. Generell sind weiche und zerkleinerte Speisen bei wunden Stellen leichter und angenehmer zu kauen. Bei Schluckbeschwerden ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr notwendig. Angedickte Speisen und Flüssigkeiten lassen sich leichter schlucken. Wichtig ist die Aufnahme häufiger kleiner Portionen bei einer Bevorzugung von weichen Speisen sowie der Meidung von trockenen Nahrungsmitteln. Bei Verstopfung ist die Versorgung mit Ballaststoffen sehr wichtig. Auf reichliche Flüssigkeitszufuhr und ausreichende Bewegung ist zu achten. Bei Durchfall ist ebenfalls auf eine reichhaltige Flüssigkeitszufuhr sowie auf kleine häufige Mahlzeiten zu achten. Die Betroffenen sollten fettige, frittierte, scharfe und extrem süße Speisen meiden und Speisen mit reichlich löslichen Ballaststoffen wie zum Beispiel geriebene Äpfel bevorzugen. Generell ist es bei Untergewicht schwierig einfach mehr zu essen. Deshalb müssen Betroffene lernen, ihre Nahrung entsprechend anzureichern.

Eine Broschüre zum Thema „Zunehmen leicht gemacht“ ist bei der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik, Stichwort „Zunehmen“, Kurbrunnenstr. 5, 52066 Aachen gegen Einsendung eines mit 1,44 € frankierten DIN A5-Rückumschlages kostenlos erhältlich. Darüber hinaus beantworten Ernährungskräfte von 9 Uhr bis 15 Uhr Fragen zu Untergewicht und Mangelernährung unter 0241-96 10 316.

Tipp des Tages zum Jahr der gesunden Ernährung 2004: Kiwi ist besonders reich an Vitamin C. Sie weist ebenfalls einen hohen Gehalt an Vitamin K, Kalium und Magnesium auf. Das eiweißspaltende Enzym Actinidin fördert die Verdauung.

22.03.: Gutes Fett, schlechtes Fett / 22.03.: Frühjahrsmüdigkeit

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