Mehr Unterernährte in der Überflussgesellschaft

diaita - Aachen, den 24.05.04: Mehr als 60 Prozent der geriatrischen Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen weisen Anzeichen einer Mangelernährung auf oder entwickeln spezifische Nährstoffdefizite durch Einseitigkeit in der Lebensmittelauswahl (1), berichtet heute Diplom Oecotrophologin Anke Petruschka von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in Bad Aachen. Erste Anzeichen einer Mangelernährung bei Senioren äußern sich durch verminderten Appetit und die Abneigung des Verzehrs gegen bestimmte Lebensmittel, wie zum Beispiel Fleisch, erklärt der Sprecher der Gesellschaft Sven-David Müller. Bedingt durch diese Mangelernährung ist die Sterblichkeit bei geriatrischen Patienten erhöht. Die älteren Menschen sterben aber nicht an der Mangelernährung selbst, sondern an den Komplikationen ihrer Erkrankung, die sie in Folge der Malnutrition nicht mehr richtig kompensieren können. Um Folgeerkrankungen zu vermeiden, ist auf eine ausreichende Ernährung der Senioren zu achten. Denn hat erst einmal ein deutlicher körperlicher Abbauprozess angefangen, zeigt eine Ernährungstherapie kaum mehr Wirkung. Ziel sollte es daher sein, erst gar keinen Mangel aufkommen zu lassen. Vorbeugung ist angebracht! Deshalb sollte auf einen unabsichtlichen Gewichtsverlust von mehr als fünf Prozent in drei Monaten, oder mehr als 10 Prozent in sechs Monaten geachtet werden (2). Weiterhin ist es notwendig bei der Ernährung von Senioren auf die altersspezifischen Probleme zu achten. So leiden viele Senioren unter Schluck- und / oder Kaubeschwerden, Verdauungsproblemen, und haben sowohl weniger Appetit als auch ein verringertes Durstgefühl. Auffallend ist weiter, dass Senioren beträchtlich kleinere Portionen essen, und auch deutlich seltener als junge Menschen essen (3). Damit kein Mangelzustand auftritt, ist es notwendig, Senioren rechtzeitig drauf hin zu weisen welche Lebensmittel eine hohe Nährstoffdichte aufweisen. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sollten Pflegpersonal und Ärzte auf Ernährungswünsche der Patienten eingehen und auch das Gewicht „im Auge“ behalten. Weiter hilft oft das gemeinschaftliche Essen mit anderen Patienten, wo neben der Nahrungsaufnahme an sich auch soziale Kontakte eine wichtige Rolle spielen, so dass es nicht zu einer sozialen Vereinsamung kommt, was die Ernährungssituation zusätzlich verschlimmern kann. Bei einem auftretenden Mangel sollte man aber auch vor einer Nahrungsergänzung in Form von Trinknahrung bei Senioren nicht zurückschrecken, so Petruschka abschließend.

(1) Naber, Schermer, de Bree, et. al., Prevalence of malnutrition in nonsurgical hospitalized patients and its association with disease complication, Am J Clin Nutrition 1997
(2) N. Eckardt, Mangelernährung in der Geriatrie. Heilberufe 4. 2004 (3) Seiler, MD, Clinical pictures of malnutrition in III elderly subjects, Nutrition Volume 17, Number 6, 2001

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Internet : http://www.ernaehrungsmed.de


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