Männer nehmen Ratschläge nicht ernst

diaita - Aachen, den 19.04.04: In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Human Nutrition and Dietetics“ sind neueste Studienergebnisse veröffentlicht, denen zufolge die Empfehlung, mehr Gemüse und Obst zu essen, keinen Einfluss auf das Ernährungsverhalten von Männern hat, berichtet heute Diplom Ernährungswissenschaftlerin Susanne Sonntag von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik in Bad Aachen. Der Gesellschaftssprecher Sven-David Müller appelliert deshalb an alle Frauen, ihren Männern mehr Gemüse und Obst vorzusetzen. Eine sinnvolle Ergänzung können auch Säfte sowie Gemüse- und Obstkonzentrate darstellen. Damit können durchaus kleinere Lücken bei der Versorgung geschlossen werden, aber Nahrungsergänzungsmittel können eine gesunde Ernährung nicht ersetzen, betont Sonntag. Wissenschaftler verschiedener Universitäten in Großbritannien untersuchten in einer randomisierten Studie die langfristigen Effekte einer Empfehlung, mehr Gemüse und Obst sowie mehr fetten Fisch zu essen, auf das Ernährungsverhalten. Zwischen 1990 und 1996 nahmen insgesamt 3.114 Männer mittleren Alters, die wegen Herz-Kreislauferkrankungen (Angina Pectoris) in Behandlung waren, an der Studie teil. Die Wissenschaftler teilten sie nach dem Zufallsprinzip in vier unterschiedliche Gruppen ein: mit der Empfehlung mehr Gemüse und Obst zu essen, mit der Empfehlung mehr fetten Fisch zu essen, mit der Empfehlung mehr Gemüse und Obst sowie fetten Fisch zu essen und eine weitere Gruppe mit keinerlei Ernährungsempfehlung. Die „Gemüse- und Obstmänner“ wurden angewiesen vier bis fünf Portionen Gemüse (außer Kartoffeln) und Obst zu essen sowie mindestens ein Glas frischen Orangensaft täglich zu trinken. Außerdem sollten sie verstärkt Haferprodukte verzehren, um insgesamt mindestens 8 Gramm wasserlösliche Ballaststoffe täglich aufzunehmen. Die Wissenschaftler verschickten im Jahr 2000 Fragebögen an eine Auswahl der Probanden und werteten anschließend 944 ausgefüllte Fragebögen aus. Die Teilnehmer, denen ein höherer Fischkonsum empfohlen wurde, aßen mehr Fisch im Vergleich zur Placebogruppe. Allerdings war der Unterschied gering. Die „Fisch-Männer“ verzehrten im Durchschnitt 21,9 Gramm Fisch pro Tag. Die Männer ohne entsprechende Empfehlung 14 Gramm pro Tag. Der Unterschied in der Gemüse- und Obstaufnahme zwischen den Gruppen mit und ohne entsprechender Empfehlung fiel noch geringer aus. Die Gruppe mit der Empfehlung zu einem höheren Gemüse- und Obstkonsum verzehrte täglich 373,2 Gramm Gemüse und Obst, die Gruppe ohne Empfehlung 351,7 Gramm. Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass Männer dieser Altersgruppe teilweise resistent gegenüber Ratschlägen für einen höheren Gemüse- und Obstkonsum sind. Eine Ursache dafür liegt in der emotionalen Steuerung des Essverhaltens. Männer wissen zwar, dass Gemüse und Obst gesund sind, deshalb essen sie aber lang noch nicht mehr davon. Aspekte wie Genuss, Image und Werbung sprechen die emotionale Seite an und können die Umsetzung von Ernährungsempfehlungen wesentlich verbessern, so Sonntag abschließend.

Quelle:
(1) Ness et al. : The long-term effect of dietary advice on the diet of men
with angina: the diet and angina randomized trial. J Hum Nutr Dietet 2004; 17: 117-119

Tipp zum Jahr der gesunden Ernährung 2004: Radieschen kann man jetzt wieder überall frisch kaufen. Der scharfe Geschmack des Gemüses wird durch Senföle hervorgerufen, die zu den Sekundären Pflanzenstoffen gehören. Diese regen die Gallenbildung an und wirken bakterienhemmend. Außerdem sind Radieschen reich an Vitaminen und Mineralstoffen.

Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V.
Kurbrunnenstraße 5, 52066 Bad Aachen

Sven-David Müller, Sprecher
Telefon : 0241 - 96 10 320 / Handy : 0177 - 235 35 25

Internet : http://www.ernaehrungsmed.de
eMail : sdmueller@ernaehrungsmed.de


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