Nahrungsergänzung
Mumijo
Aloe Vera

Ernährungsteil der AGNES*

Die Neurodermitisschulung ist derzeit noch ein Modellvorhaben zur besseren Vorsorge und Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit atopischen Ekzem (Neurodermitis). In der Schulung werden situations- und gruppengerechte Informationen zu folgenden Bereichen der Neurodermitis angeboten: Pflege, Psyche, Medizin und Ernährung.
Dabei werden im Ernährungspart folgende zentralen Themen diskutiert:
•Erfahrungsaustausch
Gesunde und kindgerechte Ernährung bei Neurodermitis
Alternative Ernährungsformen
Nahrungsmittelunverträglichkeit bei Neurodermitis
Aussehen und Anwendung verschiedener Diätformen





Gesunde und kindgerechte Ernährung bei ND

Eine nicht ganz einfache Geschichte. Häufig müssen Neurodermitiker irgendwelche Lebensmittel meiden die sie nicht oder scheinbar nicht vertragen. Auf dieses Thema kommen wir sicherlich noch an anderer Stelle zu sprechen. Dabei ist es aber zwingend notwendig auf eine optimale Ernährung zu achten. Was ist nun eine optimale Ernährung? Eine optimale Ernährung bietet eine optimale Nährstoffversorgung! Wie erreicht man dieses? Es gibt dazu mehrere Denkmodelle. Das bekannteste Denkmodell wird durch die Ernährungspyramide vermittelt. Diese wird je nach den Vorkenntnissen der Gruppe mehr oder weniger Intensiv besprochen. Die Ernährungspyramide stellt in vereinfachter Form eine gesunde Ernährung dar. D. h. wenn ein Bauklotz dieser Pyramide komplett fehlt, z. B. Gemüse und Obst entspricht das nicht mehr einer gesunden Ernährung. Kinder und Erwachsene sollten täglich möglichst 5 Teile (handvoll = 1 Teil) Obst und Gemüse verzehren.
Eine gesunde Ernährung ist unverzichtbarer Bestandteil einer langfristigen Gesundheit und Basis jeglichen therapeutischen Arbeitens. Beispielsweise kann die Anfälligkeit für bakterielle Infektionen (Superinfektionen!) vermindert werden. Zudem erfordert es eine ausreichende Vitamin C-Versorgung um u. a. das in der allergischen Kaskade gebildete Histamin abzubauen.

Ernährungspyramide

Säuglingsnahrung

Eiweissquelle  Stark hydrolysiert   mäßig hydrolysiert  schwächer hydrolysiert  
Casein  Nutramigen (Mead Johnson)
Pregestimil (Mead Johnson) 
   
Molke  Alfare (Nestlé)  Hipp H.A. (Hipp)
Aptamil H.A. 1 + 2 (Milupa) 
Aletemil H.A. (Nestlé)
Humana H.A. (Humana)
Beba H.A. 1 + 2 (Nestlé)
Beba Start H. A. Pre (Nestlé)
Milumil H.A. 1 + 2 (Milupa)
Aponti H. A. (Apnti)
Milasan H. A. (Milchwerke Mittelelbe) 
Soja und Schweine- kollagen  Pregomin (Milupa)     
Freie Aminosäuren   Pregomin AS (Milupa)
Neocate (SHS) 
   


Alternative Ernährungsformen

Es gibt Ernährungsempfehlungen für Neurodermitiker wie eine rein vegane Ernährung oder eine sog. tierisch eiweißfreie Kost. Propagiert werden auch die „reine Vollwertkost“ nach Bruker mit meist naturbelassenen fast ausschließlich rohen Nahrungsmitteln, oder pauschal angesetzte Diäten von Kliniken oder Ärzten.

Welche Aspekte sind dabei zu bedenken?


Je mehr Nahrungsmittel aus der Kost herausgelassen werden, desto einseitiger ist die Ernährung, und um so größer ist das Risiko für eine mangelhafte Nährstoff- und Energieversorgung
Je naturbelassen die Nahrung ist, um so höher kann die allergene Belastung sein
Ein stark eingeschränkter Speiseplan kann einen größeren Leidensdruck verursachen als die Krankheit selbst
Auch in „Neurodermitiker“ Diäten können Nahrungsmittel enthalten sein, die nicht vertragen werden und andererseits Dinge herausgelassen werden, die durchaus verträglich wären.
Ein pauschaler Einsatz dieser Ernährungsformen ist daher nicht zu befürworten!


Was heisst Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Nahrungsmittelunverträglichkeit ist der Oberbegriff für allergische und nicht-allergische Reaktionen (Pseudoallergie) auf Nahrungsmittel

Nahrungsmittelallergie: Der Körper bildet Antikörper (IgE-Antikörper), die bestimmte Bestandteile (Proteine) von Nahrungsmitteln wiedererkennen. Dieser Vorgang wird Sensibilisierung genannt. Frühestens bei dem 2. Kontakt mit dem Nahrungsmittel, gegen das der Körper IgE-Antikörper produziert hat, ist eine Reaktion möglich.
Etwa ein Drittel aller Kinder mit Neurodermitis hat eine Nahrungsmittelallergie, wobei 90 % aller Kinder mit einer Nahrungsmittelallergie nur auf ein oder zwei Nahrungsmittel reagieren. Die häufigsten Nahrungsmittelallergene im Kindesalter sind Hühnerei, Kuhmilch, Soja, Weizen, Fisch und Nüsse.

Pseudoallergie: Die Pseudoallergie hat ihren Namen aufgrund der Tatsache, daß sie Allergien nachahmt aber keine IgE-Antikörper an der Reaktion beteiligt sind. Ursache pseudoallergischer Reaktionen können Farb- und Konservierungsstoffe, Natriumglutamat, Aromen aber auch natürliche Lebensmittel wie z.B. die Tomate oder Beerenfrüchte sein. Eine Reaktion kann sich schon bei dem ersten Kontakt zeigen.
Pseudoallergische Reaktionen sind im Kindesalter relativ selten.

Fazit: Da alle genannten Unverträglichkeitsreaktionen gleiche Symptome verursachen können, ist es wichtig, über längere Zeit zu beobachten, was gegessen wurde. Das Führen eines Symptomtagebuches kann dabei sehr hilfreich sein. Wird ein bestimmtes Nahrungsmittel verdächtigt, sollte das gleiche Nahrungsmittel zu einem späteren Zeitpunkt nochmals ausprobiert werden.

Welche Diäten gibt es?

Um herauszufinden, ob Nahrungsmittel bei Ihrem Kind eine Rolle spielen und wenn ja, welche, gibt es verschiedene diagnostische Diäten, die über eine begrenzte Zeitdauer in Absprache mit Ihrem Arzt und/oder einer Ernährungsfachkraft durchgeführt werden können:

Wenn bereits ein spezifischer Verdacht besteht, wird eine Auslaßdiät, die Eliminationsdiät, durchgeführt. Während dieser Zeit (meist 2-4 Wochen) wird das Lebensmittel (z.B. Eier) bzw. die Lebensmittelgruppe (z.B. Milchprodukte), die Sie verdächtigen, bei Ihrem Kind Reaktionen auszulösen, aus dem Speiseplan Ihres Kindes gestrichen. Die Absprache mit einer Ernährungsfachkraft ist insofern wichtig, daß Ihr Kind auch in dieser Zeit ausreichend versorgt sein muß und die Meidung zu 100% erfolgen muß. Da viele Lebensmittel auch versteckt in zusammengesetzten Lebensmittel enthalten sein können, ist eine Fachberatung unbedingt erforderlich.
Besteht kein spezifischer Verdacht aber die starke Annahme, daß Nahrungsmittel einen Einfluß haben, kann die Oligoallergene Basisdiät durchgeführt werden. Während einer Zeitdauer von 7- 14 Tagen werden nur einige wenige Nahrungsmittel gegeben, erlaubt sind z.B.: Reis, Pute, Blumenkohl, Broccoli, Gurke, Banane, milchfreie Margarine, Sonnenblumenöl, stark hydrolysierte Säuglingsnahrung. Auch eine solche Diät sollten Sie keinesfalls in Eigenregie durchführen.

Wurde eine Nahrungsmittelallergie ausgeschlossen und besteht weiterhin der Verdacht, daß Nahrungsmittel einen Einflußfaktor darstellen, kann über eine Zeit von 4-6 Wochen eine Pseudoallergenarme Diät durchgeführt werden. Während dieser Diät werden Zusatzstoffe und damit die meisten Fertiggerichte sowie Süßigkeiten, aber auch bestimmte natürliche Nahrungsmittel wie einige Gemüsesorten, Obst und Obstprodukte und Gewürze herausgelassen.

Kommt es unter der diagnostisch durchgeführten Diät zu einer Verbesserung der Haut-Symptomatik, schließt sich eine orale Provokation an. Bei dieser werden gezielt Nahrungsmittel auf ihre Verträglichkeit hin getestet oder stufenweise wiedereingeführt. Diese Provokation erzielt die eindeutigsten Ergebnisse, wenn sie doppel-blind und plazebo-kontrolliert durchgeführt wird, was bedeutet, daß weder Arzt noch Eltern noch das Kind, sondern lediglich eine dritte Person (meist die Ernährungsfachkraft) weiß, welches Allergen - oder auch ob ein Plazebo - verabreicht wurde. Die Reihenfolge der Wiedereinführung richtet sich nach der ernährungsphysiologischen Notwendigkeit, den allergologischen Befunden sowie der individuellen Speisekarte des Kindes

Hat die durchgeführte diagnostische Diät und die Provokation ergeben, daß eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vorliegt, folgt eine therapeutische Diät. Alle Nahrungsmittel, die eine eindeutige Reaktion bei einer Provokation ausgelöst haben, werden für 1 bis 2 Jahre aus dem Speiseplan herausgelassen. Die Diät sollte dabei so individuell wie möglich gestaltet werden unter Auslassung des auslösenden Nahrungsmittels und einem vollwertigen Ersatz durch Nahrungsmittel mit vergleichbarem Nährstoffgehalt. In Ausnahmefällen kann ein medikamentöser Einsatz notwendig werden.


Eine präventive Diät, also eine vorbeugende Diät, wird nur bei Kindern mit erhöhtem Allergierisiko (z.B. beide Elternteile oder ein Elternteil und ein Geschwisterkind sind Allergiker) eingesetzt. Für diese Diät sind folgende Maßnahmen sinnvoll:

Ausschließliches Stillen 4-6 Monate
Ausschließlich stark hydrolysierte Säuglingsnahrung, wenn Stillen nicht möglich
Späte und schrittweise Einführung von Beikost nach dem 6. Monat
Vermeidung von hochallergenen Nahrungsmitteln im 1.-2. Lebensjahr (Ei, Fisch, Nüsse)
Rauchverbot in der Familie
Schaffen eines allergenarmen Milieus (keine Haustiere, kein Plüschteppich im Kinderzimmer)


Letzte Änderung: 13.10.2003; Quelle: AGNES-Neurodermitisschulung

*AGNES (Arbeitsgemeinschaft Neurodermitisschulung e. V.)


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